"Kognitive Veränderungen nach Krebs sind real, aber behandelbar – z.B. durch personalisiertes Gehirntraining." - Dr. med. Schilling
Welt-Krebs-Tag: Gemeinsam fit im Kopf
Viele Menschen erleben nach einer Krebserkrankung Veränderungen, mit denen sie nicht gerechnet haben. Nicht alles betrifft den Körper. Manche Folgen zeigen sich im Denken, im Erinnern oder in der Konzentration. Dinge, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich plötzlich anstrengend und schwierig an.
Manche Betroffene berichten, dass sie Gespräche vergessen, den Faden verlieren oder beim Lesen nicht mehr aufnehmen können, was sie gerade gelesen haben. Andere merken, dass sie schneller erschöpft sind oder Schwierigkeiten haben, mehrere Dinge gleichzeitig zu bewältigen.


„Ich hatte das Gefühl, mein Kopf ist leer. Dinge, über die wir gesprochen hatten, waren einfach weg. Das war erschreckend: Ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht.“
Wenn sich Denken, Erinnern oder Konzentration plötzlich verändern
Auch Nele und Kerstin erleben seit ihrer Krebserkrankung Veränderungen im Denken.

Nele ist 49 Jahre alt, kommt aus dem Rheinland und ist 2023 an Eierstockkrebs erkrankt. Deswegen freut
sie sich umso mehr, dieses Jahr ihren 50. Geburtstag zu feiern.

Kerstin ist 54 Jahre alt und ist 2023 an Brustkrebs erkrankt. Heute lebt sie mit ihrem neuen Mann zusammen, ist stellvertretende Schulleiterin und hat eine Tochter.

Hier erzählen die beiden von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit Veränderungen im Denken:
Zwei Betroffene erzählen
Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 75% aller Menschen mit einer Krebserkrankung während oder nach der Behandlung Veränderungen im Denken, Erinnern oder Wahrnehmen erleben.

Trotzdem werden diese Beschwerden nicht systematisch erfasst. Es gibt keine Standards unter Ärzten, Betroffene danach zu fragen oder gezielt zu untersuchen.

Viele Menschen erfahren deshalb erst spät, dass das, was sie erleben, eine ganz normale Folge der Erkrankung oder ihrer Therapie sein kann.
In der Reha habe ich zum ersten Mal gehört: Das ist normal. Das haben andere auch. Das war unglaublich beruhigend.“ - Kerstin
Wie groß ist das Problem wirklich?
“Ja, es gibt diese kognitiven Einschränkungen nach einer Krebserkrankung und nach ihrer Therapie. Die können sehr alltags- und berufsbelastend sein. Aber die gute Nachricht ist: Man kann das auf jeden Fall behandeln.” - Dr. med. Schillling
Dr. med. Georgia Schilling ist Chefärztin der Onkologischen Rehabilitation und beschäftigt sich wissenschaftlich mit den Langzeitfolgen von Krebs und Krebstherapien.

Sie klärt auf, wieso es überhaupt zu Veränderungen im Denken kommt und was Patient:innen dagegen tun können.
Klicken Sie sich durch die Videos und erfahren Sie mehr dazu!

Eins vorweg: Dr. Schilling ist sich sicher, dass niemand den Veränderungen hilflos gegenüber stehen muss.
Niemand muss den Veränderungen hilflos gegenüber stehen
Der Begriff „Chemobrain“ wird häufig verwendet, um diese Beschwerden zu benennen. Dabei greift er viel zu kurz.

Denn Veränderungen im Denken haben viele Ursachen:

  • Chemotherapie, aber auch andere medikamentöse Krebsbehandlungen
  • Operationen und Narkosen, die das Gehirn zusätzlich
belasten können
  • Bestrahlung, insbesondere in Kombination mit weiteren Therapien
  • Anhaltende Erschöpfung (Fatigue), die Denken
und Konzentration stark beeinflusst
  • Starke seelische Belastungen, etwa durch Angst,
Stress oder die Verarbeitung der Erkrankung

Deshalb können diese Veränderungen bei allen Krebspatient:innen auftreten, unabhängig von der Therapie.
Wichtig ist auch eine klare Abgrenzung: Diese Beschwerden im Denken sind keine Demenz. Die Angst davor ist verständlich, aber medizinisch unbegründet. Veränderungen im Denken nach Krebs sind behandelbar und oft rückläufig.
Wieso der Begriff “Chemobrain” in die Irre führt
Nele & Kerstin nutzen NeuroNation MED ebenfalls. Hier erzählen sie, wie sie das Training in ihren Alltag integriert haben, warum Lob statt Druck für sie entscheidend war und wie sich kleine Fortschritte im Denken auch im Alltag bemerkbar gemacht haben.

Außerdem teilt Dr. Schilling ihre ärztliche Perspektive auf die Möglichkeiten von digitalen Trainings für Krebsbetroffene.
Eine wirksame Möglichkeit, Unterstützung zu bekommen, ist das Gehirntraining NeuroNation MED. In Deutschland ist das Training als „App auf Rezept“ zugelassen und damit vollständig von den Krankenkassen erstattet.

NeuroNation kann die Aufmerksamkeit und die Denkleistung verbessern - auch bei Brustkrebspatientinnen,
wie eine aktuelle Studie im Fachjournal Nature zeigen konnte.
Was hilft wirklich?
Code erhalten und Training starten
3
Bei der Krankenkasse einreichen (oder online hochladen)
2
Kurzattest bei Ärzt:in / Psychotherapeut:in holen
1
So starten Sie in 3 Schritten mit
der “App auf Rezept”
Zu den Veränderungen im Denken kann auch gehören, dass man sich allgemein innerlich unruhig fühlt, viel grübelt oder sich unter Druck gesetzt fühlt, “wieder funktionieren zu müssen”.

Hier beschreibt Nele, was ihr in diesen Momenten besonders geholfen hat:
  • Bewusst atmen und meditieren, um aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und wieder mehr bei sich anzukommen

  • Ruhige Abendrituale wie leise Musik, Body-Scans oder Entspannungsübungen, besonders wenn der Schlaf schwerfällt

  • Zeit in der Natur, zum Beispiel Spaziergänge am Wasser oder an anderen ruhigen Orten, um innerlich zur Ruhe zu kommen

  • Musik machen oder singen, ganz ohne Leistungsanspruch, einfach um im Moment zu sein

  • Freundlich mit sich selbst bleiben und sich nicht zusätzlich unter Druck setzen, wenn Denken oder Erinnern gerade schwerfallen
Tipps von Patient:in zu Patient:in - mehr Ruhe und Entlastung finden
Auch Online-Austausch kann helfen, wie in der Facebook-Gruppe der NeuroNation Nutzer:innen. Hier wollen wir einen Raum zum Austausch von Tipps und Tricks, Hilfe, persönlichen Fortschritten und vielem mehr rund um das NeuroNation Gehirntraining schaffen.

Wir legen dabei im Umgang besonders viel Wert auf ein freundliches Miteinander und Respekt vor anderen. Treten Sie gerne bei und laden Sie auch Freunde ein, die sich für wissenschaftlich fundiertes Gehirntraining interessieren.
Veränderungen im Denken sind für Außenstehende oft unsichtbar. Umso wichtiger ist ein verständnisvolles Umfeld. Viele Betroffene empfinden den Austausch mit anderen, die Ähnliches erleben, als besonders hilfreich.

Nele und Kerstin haben durch ihre Freundschaft viel Kraft gefunden:
Das können einfach Menschen, die diese Diagnose nie hatten, gar nicht nachvollziehen - und Gott sei Dank nicht. Das wünscht man natürlich auch niemandem. Aber es ist enorm hilfreich, wenn man Menschen trifft, die das Gleiche erlebt haben.” - Kerstin

Das war für mich ein Riesengeschenk, an Kerstin zu geraten. Wir haben uns so stark gestützt und es ist einfach ein schöner Austausch, wenn man mit Freundinnen darüber sprechen kann, die das selber erlebt haben oder in einer ähnlichen Situation sind. Das hat mir wirklich sehr geholfen.” - Nele
Sie müssen das nicht alleine durchstehen
Auch für Angehörige ist die Situation oft herausfordernd. Wir haben ein Handout erstellt, das erklärt, wie sich Veränderungen im Denken äußern können, was Betroffene als hilfreich erleben und welche Reaktionen ungewollt verletzend sein können.
Was kann ich als Angehöriger tun?
Wenn Sie sich fragen, wie es Ihrem Denken, Erinnern oder Ihrer Konzentration aktuell geht, kann ein kurzer Selbsttest Orientierung geben. Er dient nicht zur Diagnose, sondern als Ausgangspunkt, um Veränderungen besser einordnen zu können.
Jetzt den ersten Schritt machen
“Eine sehr sehr sehr spannende Reise, diese ganze Erkrankung und diese Heilungsreise. Und ja, ich denke mit dieser Community, die uns alle umgibt, ist es machbar, diese Reise zu gehen, weil man doch nicht alleine ist. Und das fühlt sich ganz gut an.” - Nele
Worte zum Schluss
Häufige Fragen